Die Reproduktion der Arbeitskraft und ihre religiöse Moralisierung

Aufruf der Organisierten Autonomie Zürich gegen den «Marsch fürs Läbe» in Oerlikon, 19.09.2026:,D

Es ist wieder so weit: Diesen Samstag zieht ein weiteres Mal der sogenannte «Marsch fürs Läbe» durch Zürich Oerlikon – getragen von einem Bündnis aus über 20 kirchlichen und politischen Organisationen.

Hinter dramatischen Appellen für das «Leben des ungeborenen Kindes» steht die Unterdrückung von Frauen und gebärfähigen Menschen. Abtreibung soll illegalisiert werden; jegliche Lebensformen, die nicht der klassisch-bürgerlichen, schweizerischen Kleinfamilie entsprechen, werden zum Feindbild einer Moral, die diese Lebensweise als «natürliche» Ordnung setzt.

Um besser zu verstehen, wer hinter dem «Marsch fürs Läbe» steht, müssen wir den Gegenstand betrachten, um den sich dessen Forderungen drehen: die Reproduktion in der kapitalistischen Produktionsweise. 

Die Reproduktion bezeichnet die fortlaufende Wiederherstellung der gesellschaftlichen Voraussetzung für die Produktion und somit des menschlichen Lebens. Als Arbeiter:innen müssen wir essen, wohnen, schlafen und uns erholen, um am nächsten Tag wieder auf der Matte zu stehen. Damit diese Gesellschaft auch morgen noch besteht, muss zeitgleich die nächste Generation aufgezogen werden. Im Kapitalismus ist die bürgerliche Kleinfamilie ein zentraler Ort dieser Reproduktion.


Damit die Reproduktionskosten der Ware Arbeitskraft – speziell Haus- und Care-Arbeiten – möglichst tief bleiben, widerfährt der Reproduktionsarbeit bis heute eine permanente Abwertung – sie wird unsichtbar gemacht und nicht durch Lohn vermittelt.

Daraus ergibt sich ein ökonomischer Zwang. Häufig reicht ein einzelnes Einkommen nicht aus, um Lebensmittel, Kleidung und Wohnraum zu kaufen. Die Personen in der Familie geraten in eine gegenseitige Abhängigkeit. Lohnarbeit, putzen, kochen und emotionale Arbeit werden zur Doppelbelastung. Alle diese Aufgaben wurde historisch Frauen und gebärfähigen Personen aufgedrückt. Bis heute erledigen sie Lohnarbeit und unbezahlte Care-Arbeit und sind dadurch zu hohen Pensen beschäftigt, wobei die Care-Arbeit aber nicht entlohnt wird. Und von dieser unbezahlten Arbeit profitiert der Staat.

Der Staat sichert diese Verhältnisse rechtlich ab und organisiert sie. Er betreibt Bevölkerungspolitik mit Subventionen, Kinderbetreuung, Familienrecht und Migrationspolitik. Je nach dem fördert oder beschränkt er dadurch das Bevölkerungswachstum.
Reproduktionsarbeit soll so wenig wie möglich kosten. Deshalb ist Kinder bekommen teuer und ein Armutsrisiko. Denn Unterstützung gibt es nur sehr wenig, Eltern werden allein gelassen.

Hier setzt die Ideologie des «Marsch fürs Läbe» an. Die aus diesen Gründen bedrückende Realität vieler Familien erscheint plötzlich als Gottes ewiger Wille. Christliche Fundamentalist:innen machen diese Verhältnisse mit einem saftigen Anstrich Moral unsichtbar. Propagierte binäre Geschlechterrollen und das Ideal der Kleinfamilie tragen dazu bei, Care-Arbeit als «natürlich» erscheinen zu lassen: als Ausdruck von Mutterliebe, Fürsorge oder persönlicher Verantwortung. Queere proletarische Lebensweisen sind in dieser Ordnung nicht vorgesehen, da sie die Naturalisierung der bürgerlichen heterosexuellen Kleinfamilie entlarven. Gleichzeitig werden auch migrantische proletarische Menschen abgewertet, mit der Funktion, sie in schlecht bezahlte und prekäre Bereiche der Reproduktions- und Care-Arbeit zu drängen. So wird dafür gesorgt, dass auch diese Arbeit möglichst billig bleibt. Religion erfüllt die Funktion, diese Verhältnisse zu rechtfertigen.

Im diesjährigen Aufruf des «Marsch fürs Läbe» soll der Mann «da sein» und Verantwortung übernehmen mit der Frau. Das Appellieren an individuelles Verhalten ändert nicht nur nichts an den Zwängen, sondern schiebt wieder die Verantwortung an die bürgerliche Kleinfamilie ab. Die Entscheidung der Frau, ob sie eine Schwangerschaft austrägt, wird von den Fundis moralisch beantwortet. Diese Vorstellungen sind ideologische Verarbeitung der erwähnten Zwänge und nicht ihr Ursprung.

Richten wir unseren Widerstand gegen die menschenverachtende Ideologie der fundamentalistischen Christ:innen – sowie gegen deren Ursprung.

Für ein selbstbestimmtes und gutes Leben für alle.
Gegen den Kapitalismus.


Fundis raus aus Oerlikon!

Justice for Nzoy – Gemeinsam gegen Rassismus und Polizei

Flugblatt der Organisierten Autonomie Zürich zur Justice for Nzoy-Demonstration, 12.09.2026:,D

Roger Nzoy Wilhelm wurde am 30. August 2021 von einem Polizisten erschossen. Sein Tod ist kein Einzelfall. Bei Polizeieinsätzen allein im Kanton Waadt wurden in den letzten Jahren auch Lamin Fatty, Hervé Mandundu, Mike Ben Peter, Michael Kenechukwu Ekemezie, die 14-jährige Camila und der 17-jährige Marvin getötet.

Rassistische Polizeigewalt hat System: Sie beginnt bei den Polizeischikanen, denen People of Colour täglich ausgesetzt sind, und endet immer wieder bei tödlicher Gewalt. Der Kampf für Gerechtigkeit für Nzoy ist deshalb auch ein Kampf gegen alle Formen des staatlichen Rassismus.

Die diesjährige Demonstration steht im Zeichen der Militarisierung. Rassistische Polizeigewalt und die aktuelle Aufrüstung der Herrschenden gehören zusammen. So beruht der Kapitalismus auf der Ausbeutung von Ressourcen und Arbeitskraft – hier und besonders gewaltsam im globalen Süden. Für diese Ausbeutung benötigt er rassistische Gewalt, die von kolonialer Dominanz über die globale Ausbeutung bis zum hochgerüsteten Migrationsregime reicht. Der Genozid in Palästina zeigt aktuell, welche Brutalität die imperialistische und kolonialistische Dynamik des Kapitalismus entfesseln kann.

Der Massenmord in Gaza, aber auch die Kriege im Iran, in der Ukraine und im Sudan sind Ausdruck einer neuen Welle des Imperialismus. In der kapitalistischen Krise verschärfen sich die gesellschaftlichen Widersprüche und der Staat setzt zur Sicherung seiner Interessen vermehrt auf militärische Gewalt: Kriege gegen aussen und Repression gegen innen. Immer wieder werden im Krieg entwickelte Technologien auch in der Aufstandsbekämpfung eingesetzt.

Rassismus ist in diesem System von Ausbeutung und Gewalt ein wichtiges Machtmittel. Zur Klassengesellschaft, gehört nicht nur der Widerspruch zwischen herrschender und arbeitender Klasse, sondern auch rassistische Spaltungen in der ausgebeuteten Klasse selber. Das zeigt sich, wenn People of Color systematisch in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt werden. Das zeigt sich im antimuslimischen Rassismus, der den Genozid in Gaza sowie die Repression gegen die Palästina-Solidarität normalisiert. Und das zeigt sich in der Polizeigewalt, welche die Klassenherrschaft durchsetzt und die von rassistischer Ideologie gestützt wird.

Doch dieser Unterdrückung steht eine reiche Geschichte des Widerstands entgegen. In Europa reicht sie von migrantischem Widerstand an den Grenzen und in den Knästen bis zu Kämpfen gegen Polizeibrutalität wie der Kampagne für Oury Jalloh. In den USA verbinden sich die Erfahrungen der Black Panthers, der Black-Lives-Matter-Bewegung und des Widerstands gegen ICE. Immer wieder zeigte sich in diesen Kämpfen die zentrale Bedeutung der Community-Arbeit: der Organisierung in den Quartieren und dem Aufbau nachbarschaftlicher Solidarität.

Von diesen Erfahrungen können wir lernen. Das beste Mittel gegen rassistische Gewalt ist eine solidarische Gemeinschaft und Gegenmacht von unten. Die Kampagne für Nzoy greift dies auf, wenn sie sich im Kreis 4 und darüber hinaus vernetzt. Organisieren wir antirassistische Solidarität in den Quartieren und in den Betrieben! Wehren wir uns, wenn unsere Angehörigen, Nachbar:innen, Freund:innen und Arbeitskolleg:innen von Polizei und Migrationsämtern bedroht werden.

Kämpfen wir als Klasse für Frieden und Kommunismus!

25 Jahre G8 in Genua

Samstag 06.06.2026: Veranstaltung im Kasama

Rückblick auf 25 Jahre G8 in Genua, Erinnerung an Carlo Giuliani & Ausblick auf den G7 in Evian im Juni 2026.:,D

Die Antiglobalisierungsbewegung brach mit der Niederlagenstimmung der 1990er Jahre. Unter dem Slogan «Eine andere Welt ist möglich!» stellte sie die neoliberalen Institutionen (IWF, WTO, G7/G8/G20) politisch in Frage. Die weltweite Bewegung zeigte auf, dass die globalen Klassenverhältnisse und Produktionsketten zusammenhängen und internationalisierte die Kämpfe.

Vom 18. bis 22. Juli 2001 traf sich die kapitalistische Weltelite zum G8-Gipfel in der italienischen Hafenstadt Genua. Begleitet wurde das Treffen von enormen Protesten der Antiglobalisierungsbewegung. 300’000 Menschen reisten an, um gegen die Chefs der reichsten Industrienationen der Welt zu demonstrieren. Dagegen ging die italienische Polizei mit massiver Gewalt vor. Der 23jährige Carlo Giuliani wurde von einem Polizisten getötet.

Carlo vive!
Der Widerstand lebt weiter!
Otro mundo es posible – eine andere Welt ist möglich!

1. Mai 2026: Für Frieden und Kommunismus

Heraus zum 1. Mai 2026 in Zürich:
Revolutionärer Block, 10 Uhr Ni-Una-Menos-Platz (ehem. Helvetiaplatz)
Revolutionärer Treff, 12:30 Uhr Kanzlei
Revoltuionäre Demo, 15 Uhr

Politwochenende, 24.-26. April, Kanzleiareal (Programm)

Besuche unseren Stand am internationalen 1. Mai-Fest, 1./2. Mai auf dem Kasernenareal :,D


Kampf dem Kapital – für Frieden und Kommunismus

Klassenkampf ist der Schlüssel zu einer friedlichen und befreiten Gesellschaft

Der Krieg gehört zum Kapitalismus wie die Patrone zur Pistole. Der Kapitalismus ist aber menschgemacht und kann deshalb auch durch menschliche Kraft überwunden werden. Immer wieder haben es Menschen in der Geschichte geschafft, ihre Lebensbedingungen durch organisierten Widerstand zu verbessern und die vorgefundenen Verhältnisse revolutionär umzuwälzen. Es waren immer die Kämpfe der Ausgebeuteten und Unterdrückten, welche das Kapital zu Zugeständnissen gezwungen und gesellschaftliche Veränderungen durchgesetzt haben.

Kriege können durch Klassenkämpfe beendet werden. Die Russische Revolution, Sabotageakte gegen kriegswichtige Unternehmen in Nazideutschland oder die militante Sabotage der US-Kriegsmaschinerie während des Vietnamkriegs, die Blockade von Waffenexporten vom Baskenland über Marokko bis nach Griechenland in den letzten Jahren und der Generalstreik in Italien gegen den Genozid in Palästina 2025 – sie alle waren das Resultat organisierter Arbeiter:innenmacht.

Noch nie in der Geschichte waren so viele Menschen Teil der Weltarbeiter:innenklasse wie heute – es ist diese Klasse, welche die Macht hat, alle Kriege zu stoppen und den Kapitalismus durch eine neue, soziale Gesellschaftsordnung zu ersetzen. Der Gewalt der Herrschenden halten wir die Macht der Arbeiter:innen, den Arbeitskampf und den militanten Widerstand auf der Strasse entgegen.

Entscheiden wir den Klassenkrieg für uns – für Frieden und Kommunismus!

Kampf des Kapitals

Die gegenwärtigen Kriege sind die Folge des Kapitalismus. Die ökonomische Konkurrenz wird zunehmend militärisch ausgetragen.

Die Weltordnung gerät ins Wanken: Die Phase der US-Hegemonie, welche seit den 1990er-Jahren unter dem Schlagwort «Globalisierung» herrschte, scheint an ihr Ende zu kommen. China hat die USA als führende Industrienation längst abgelöst. In praktisch allen relevanten Bereichen ist das Land mittlerweile führend und baut seinen Vorsprung weiter aus. Unter dem Label «neue Seidenstrasse» investiert das chinesische Kapital massiv in Infrastrukturprojekte auf der ganzen Welt.

Die USA führen schon länger einen Handelskrieg, um die Dominanz Chinas auf dem Weltmarkt einzuhegen. Die Zollpolitik der aktuellen US-Regierung unter Trump ist nur das neuste Kapitel davon. Seine Erfolgsaussichten sind höchst fraglich. Was zur Durchsetzung der US-Kapitalinteressen bleibt, sind Sanktionen und die militärische Dominanz.

Die immer kürzere Abfolge neuer US-Militäraktionen ist daher die unmittelbare Konsequenz der ökonomischen Krise. Das Kapital konkurriert um den Zugriff auf Arbeitskraft, Rohstoffe, Transportwege und Absatzmärkte. Regelmässig schlägt diese Konkurrenz in offene Gewalt um.

Frühere US-Regierungen bemühten sich noch darum, militärische Interventionen mit Werten wie Demokratie und Freiheit zu rechtfertigen. Die Aneignung von Ressourcen und Arbeitskraft erfolgte im Namen des Freihandels. Die «regelbasierte Weltordnung», bei der Staaten ihre Interessen im Rahmen multilateraler Organisationen (UNO, WTO etc.) aushandeln, sollte so etwas wie Gleichberechtigung und Frieden unter ihnen garantieren. Davon ist heute nicht mehr viel übrig. Unverhohlen wird ökonomische und militärische Gewalt angewandt. Der Krieg von USA und Israel gegen den Iran, die verschärfte Blockade gegen Kuba oder der US-Angriff auf Venezuela zeigen diese Entwicklung in aller Deutlichkeit.

Zeit der Monster

Im Windschatten der Konflikte um ökonomische Dominanz erleben allerlei reaktionäre Kräfte Auftrieb. Faschismus, Vertreibung und Genozid sind die Folge.

Die rechtsextreme israelische Regierung treibt den Genozid an der palästinensischen Bevölkerung weiter voran. Das ist nur mit massiver militärischer und politischer Unterstützung der USA und der EU möglich. Dass der Premierminister per internationalem Haftbefehl gesucht wird: egal! Israel setzt die Interessen des westlichen Imperialismus in der Region – insbesondere den Zugriff auf die Öl- und Gasvorkommen sowie die Handelswege – seit Jahrzehnten zuverlässig militärisch durch.

Dieselben Technologien und Techniken (Software, Drohnen), die zur Kriegsführung im Gaza-Streifen und Westjordanland eingesetzt werden, verwenden auch Frontex und ICE bei ihrem Kampf gegen Migrant:innen und undokumentierte Arbeiter:innen.

Auch die Gewalt nicht-staatlicher Gruppen – etwa jihadistischer Milizen in der Sahelzone oder schwerbewaffneter «Drogenkartelle» in Lateinamerika – ist eine Folge dieser Entwicklung. Oft dienen diese Akteure als Legitimation für Militärinterventionen, oft sind sie aber auch willkommene Partner des lokalen oder internationalen Kapitals. So oder so ist es die lokale Bevölkerung, die am meisten unter der Gewalt leidet.

Zeitenwende in Europa

Um die Ukraine weiter zu unterstützen und den russischen Einfluss zurückzudrängen, will Europa kriegstüchtig werden. Die Folgen sind Aufrüstung und Austerität.

Europa konnte sich lange auf die militärische Dominanz der USA und die «regelbasierte Weltordnung» verlassen, wenn es um seine Kapitalinteressen auf dem Weltmarkt ging. Die Integration der ehemaligen Ostblock-Staaten in die EU verlief unter dem militärischen Schutz der NATO relativ friedlich.

Mit dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 war dieser «Frieden» zu Ende. Seither bemühen sich USA und EU, den russischen Einfluss militärisch zurückzudrängen – durch Waffenlieferungen an die Ukraine und Wirtschaftssanktionen gegen Russland.

Die US-Regierung droht weiterhin mit dem Rückzug aus Europa, um sich der Auseinandersetzung mit China zuzuwenden. Die EU bemüht sich nach Kräften, die Lücke zu füllen. Die Staaten investieren massiv mehr Geld in ihr Militär, und die Produktion von Rüstungsgütern wird ausgebaut. Autofabriken sollen jetzt Panzer herstellen.

Damit sich die Investitionen lohnen, müssen die Waffen irgendwann auch eingesetzt werden. Bis 2029 will Europa kriegstüchtig sein. Dazu müssen Staaten nicht nur Waffen produzieren, sondern auch die Arbeiter:innen auf den Krieg einschwören, die schliesslich in den Schützengräben aufeinander schiessen müssen. Wir erleben darum auch eine massive ideologische Aufrüstung.

Doch nicht erst mit dem Marschbefehl werden die Arbeiter:innen in die Pflicht genommen. Um die Aufrüstung zu finanzieren, lancieren die Staaten Austeritätsprogramme. Sie sparen bei der sozialen Infrastruktur und verschärfen den Zugang zum Sozialstaat. Dies verteuert die Lebenshaltungskosten und erschwert das Überleben. Gleichzeitig wird ein Job beim Militär – trotz akuter Lebensgefahr – «attraktiver».

Die Schweiz als Teil des Imperialismus

Schweizer Unternehmen profitieren vom Krieg, und die Politik propagiert Aufrüstung und Militarisierung.

Die Schweiz ist fester Teil des «westlichen Blocks» innerhalb der imperialistischen Ordnung. Als Finanzplatz, Rohstoffdrehscheibe und Industriestandort spielt sie eine wichtige Rolle im globalen System der Ausbeutung.

Das Schweizer Kapital profitiert vom Krieg: RUAG und Mowag produzieren Waffen. Die UBS, die Nationalbank und Pensionskassen investieren in Rüstungskonzerne und Unternehmen, die direkt an Kriegen und Besatzung verdienen.

Die vielbeschworene «Neutralität» führt nicht dazu, dass die Schweiz ausserhalb imperialistischer Konflikte agiert. Vielmehr ermöglicht ihr die «Neutralität» eine Zwischenposition. So können ihre Banken, Rohstoffhändler:innen und sonstigen skrupellosen kapitalistischen Akteur:innen Geschäfte machen, die in der EU oder den USA aufgrund von Sanktionen, Zöllen oder Gesetzen viel teurer oder überhaupt nicht möglich wären. Davon profitiert auch das Kapital in den umliegenden Ländern.

Diese Position gerät zunehmend unter Druck. Mit der Verschärfung der Auseinandersetzungen fordern die NATO-Staaten auch von der Schweiz mehr Loyalität – politisch, wirtschaftlich und militärisch. Die Schweiz muss Sanktionen mittragen, mehr Rüstungsgüter kaufen und ihre Regeln für Waffenexporte anpassen. «Rosinenpickerei» wird immer weniger geduldet.

Aufrüstung der Armee und Militarisierung der Gesellschaft

Die Zeichen stehen auf Sturm: Die Herrschenden wollen mehr Geld für die Armee, den Umbau des Sozialstaats und die ideologische Aufrüstung.

Wie in der EU verkünden Politiker:innen auch hierzulande, dass «wir» uns nicht länger auf den Schutz der NATO verlassen können und angesichts der «russischen Bedrohung» selbst wehrhaft werden müssen. Das bedeutet zunächst, dass der Staat viel mehr Geld in die Armee steckt. Bezahlen sollen das wir Arbeiter:innen mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer. Gleichzeitig werden vom Bund («Entlastungspaket 27») und von den Kantonen Programme auferlegt, die massive Einsparungen bei Bildung, Gesundheitsversorgung und Sozialausgaben beinhalten.

Doch die Militarisierung beschränkt sich nicht auf die Aufrüstung der Armee. Die Kriegstüchtigkeit der Gesellschaft wird auch ideologisch vorangetrieben und greift in alle Lebensbereiche ein. Was vor kurzem noch wie Geschichten aus dem Kalten Krieg klang, wird Teil unseres Alltags: Quartierzentren sollen «Resilienz»-Workshops durchführen, Personal wird für Bunker-Evakuierungen geschult. Unter dem Deckmantel von Gleichstellung wird die Integration von Frauen ins Militär vorangetrieben, während der Zugang zum Zivildienst erschwert wird.

Kriegstüchtigkeit bedeutet auch mehr Repression. Einen Vorgeschmack bietet die massive Repression gegen die Solidaritätsbewegung mit Palästina. Die Folge davon sind Polizeigewalt, der Entzug von öffentlichen Geldern sowie mediale Hetzkampagnen gegen Aktivist:innen. Alles legitimiert durch den angeblichen Kampf gegen Antisemitismus. Die Palästina-Bewegung stellt sich kompromisslos gegen die imperialistischen Interessen Europas und entlarvt das Geschwafel von «demokratischen Werten» als Lüge.

Abschottung, Freihandel, EU-Integration

Der Aufrüstungskurs ist innerhalb der herrschenden Klasse unumstritten. Lediglich über den Modus wird diskutiert. Opposition gibt es nicht, schon gar nicht von der SP.

Die SVP setzt auf Abschottung und Freihandel: Die Schweiz soll sich gegen den Druck von EU und USA wehren und weiterhin mit allen Seiten Handel treiben. Sie vertritt die Interessen des Finanz- und Holdingkapitals, das mit möglichst wenigen Regeln allen dreckigen Geschäften nachgehen will. Flankiert wird das mit einer Politik der Abschottung – Verschärfung der Migrationspolitik und Aufrüstung von Polizei und Armee.

Auf der anderen Seite steht die deutlich grössere Fraktion, welche die Integration in den westlichen Block vorantreibt. Ein umfassendes Abkommen mit der EU und die Aufrüstung der Armee nach NATO-Standards gehören zu diesem Vorhaben.

Wer meint, die SP bilde dagegen eine Opposition, irrt gewaltig: Die SP ist vielmehr die Anführerin der EU-NATO-Fraktion. Sie fordert am lautesten die Integration in die EU, die militärische Unterstützung der Ukraine und Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Die SP fordert bei der Aufrüstung der Armee «europäische Lösungen» und eine stärkere Kooperation mit NATO-Staaten.

Auch aussenpolitisch will sich die SP stärker «engagieren», womit primär Wirtschaftssanktionen gemeint sind. Dabei verschweigt sie, dass Sanktionen ein Mittel imperialistischer Mächte sind, um ihre Interessen durchzusetzen. Wenn sich die Versorgung verschlechtert, die Lebenshaltungskosten steigen und die Verelendung zunimmt, leiden darunter die Arbeiter:innen am meisten.

Das Friedensprojekt Europa und linke Kriegslust

Auch Linke beteiligen sich an der ideologischen Aufrüstung.

Die Politik der SP ist mehr als nur ein Missverständnis von Sanktionspolitik. Ihr geht es um das «Friedensprojekt Europa». Die EU wird als demokratisches Gegengewicht zu Russland, China und USA imaginiert. Ihre Aussenpolitik sei von «Werten» geleitet und halte sich an internationale Regeln und das Völkerrecht.

Dies entlarvt sich bereits in der aktuellen europäischen Unterstützung für die Aggressionen der USA und Israels als Propagandalüge. Auch die Militarisierung der Aussengrenzen, die Austeritätspolitik nach der sogenannten Staatsschuldenkrise und die Regierungsbeteiligung von Faschist:innen und Autoritären in vielen Ländern sprechen eine klare Sprache. Ein Blick in die Geschichte von Kolonialismus und Imperialismus tut sein Übriges.

Die SP ist damit nicht allein. Im Namen der Verteidigung westlicher Werte stellen sich Teile der Linken hinter die Kriegstreiberei der Bourgeoisie. Aufrüstung und Krieg werden als notwendig dargestellt, um Demokratie und Freiheit zu verteidigen.

Diese Tendenz sehen wir in ganz Europa: Die ideologische Aufrüstung kommt auch von links. Die linke Kriegslust spielt eine wichtige Rolle dabei, die Reihen zu schliessen und Gewerkschaften und soziale Bewegungen zu integrieren. Wer sich gegen Krieg und Militarisierung stellt, muss sich darum auch gegen den Kriegstaumel in der Sozialdemokratie stellen.

Das Proletariat hat kein Vaterland

Sie spielen uns das Lied vom Tod. Doch wir singen nicht mit.

Die Herrschenden erzählen uns also, dass wir für die Verteidigung unserer Nation oder universaler «Werte» aufrüsten und in den Krieg ziehen sollen. Dass es legitim sei, Waffen an andere Staaten zu liefern, die gegen unsere Klassengeschwister eingesetzt werden.

Wir Arbeiter:innen haben im Krieg aber nichts zu gewinnen. Die Interessen der herrschenden Klasse sind nicht unsere Interessen. Unsere Haltung ist deshalb klar: Wir tragen ihre Kriege nicht. Wir zahlen nicht dafür, kämpfen nicht dafür, sterben nicht dafür.

Wir stellen uns nicht auf die Seite irgendeiner herrschenden Klasse, sondern auf die Seite der Arbeiter:innen und Unterdrückten. Unsere Solidarität gilt unseren Klassengeschwistern auf der ganzen Welt.

Der Hauptfeind steht im eigenen Land. Unser Widerstand richtet sich also gegen die hiesige Bourgeoisie und vor allem gegen den westlichen Imperialismus. Gleichzeitig gilt unser Widerstand allen alten und neuen imperialen Kräften. Denn auch eine «multipolare Ordnung» bietet keine Perspektive für die Arbeiter:innenklasse – sie bleibt die Ordnung des Kapitals.

Der Kapitalismus ist global. Produktions- und Lieferketten spannen sich über die ganze Welt. Durch die globale Arbeitsteilung sind auch die Arbeiter:innen miteinander verbunden. Wehren sich Arbeiter:innen an einem Ort oder in einer Branche gegen Ausbeutung, hohe Lebenshaltungskosten, Unterdrückung und Gewalt, hat das potenziell grosse Auswirkungen auf andere Teile der Welt. In diesen globalen, internationalistischen Kämpfen liegt die Macht der Weltarbeiter:innenklasse und somit auch die Keimzelle der sozialen Revolution.

Klassenkämpfe und internationale Solidarität

Internationale Solidarität ist keine leere Phrase, sondern die praktische Perspektive der Arbeiter:innen, Marginalisierten und Unterdrückten.

In der Geschichte waren es stets revolutionäre Kräfte – Arbeiter:innenbewegung, Frauenbewegung und antikoloniale Kämpfe –, die sich als einzige konsequent gegen Krieg gestellt haben. 1914 stellten sich die meisten sozialdemokratischen Parteien hinter «ihre» Bourgeoisie. So waren es die kriegsmüden Arbeiter:innen und Soldat:innen, die schliesslich den Krieg beendeten und revolutionäres Feuer in ganz Europa entfachten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich antikoloniale Kämpfe und internationale Bewegungen gegen Krieg und Imperialismus zu weltweiten Massenbewegungen – die verschiedenen Kämpfe inspirierten einander.

Der Widerstand gegen Krieg und Kapitalismus hat eine lange revolutionäre Tradition, an die wir anknüpfen. Zweifellos kommen harte Zeiten auf uns zu. Doch in diesen Zeiten geht es um nichts weniger als um das Erkämpfen einer anderen Gesellschaft. Gerade deshalb sind positive Bezugspunkte in der Geschichte und Gegenwart der Klassenkämpfe unabdingbar.

Weltweite Kämpfe

Es ist ein wichtiger Teil klassenkämpferischer Praxis, Kämpfe von Arbeiter:innen überall auf der Welt zu unterstützen und von ihnen zu lernen: In der praktischen Solidarität, in der Weiterentwicklung bestehender Kämpfe, in der Verbindung von Kämpfen auf der Strasse und in den Betrieben. Im Aufbau proletarischer Gegenmacht liegt die Perspektive einer sozialen Revolution.

In Rojava verteidigen die Bevölkerung und internationalistische Freund:innen die Frauenrevolution als konkrete Alternative gegen die jihadistische syrische Übergangsregierung und den türkischen Faschismus. Die EZLN kämpft in Mexiko für ein Leben jenseits kapitalistischer und kolonialer Strukturen. In der Westsahara wehren sich die Sahrauis gegen die Vertreibung und den von den USA und Europa gestützten Siedlerkolonialismus Marokkos. Auch weitere aktuelle bewaffnete Kämpfe wie in den Philippinen und in Indien sowie politische Gefangene wie Daniela Klette erfahren revolutionäre Solidarität.

In der Ukraine wehren sich Menschen gegen die Zwangsrekrutierung und desertieren massenhaft aus der Armee. In vielen europäischen Ländern gibt es militante Angriffe gegen Unternehmen aus der Rüstungsindustrie – vor allem gegen solche, welche in den Krieg Israels eingebunden sind.

In Genua blockieren Hafenarbeiter:innen regelmässig den Export von Kriegsmaterial und greifen so direkt in die Kriegsmaschinerie ein. Im Oktober letzten Jahres beteiligte sich in Italien eine Million Arbeiter:innen an einem politischen Generalstreik gegen den Genozid in Gaza. Auch in den USA sehen wir Massenmobilisierungen, Solidarität in Nachbarschaften und Riots gegen ICE-Einsätze. In Minneapolis wehrten sich Hunderttausende gegen Trumps faschistoide Truppen – unter anderem mit einem Generalstreik, welcher die Stadt lahmlegte. In der Westbank kam es erst gerade zu einem Generalstreik gegen die neu eingeführte Todesstrafe Israels, die sich gegen Palästinenser:innen richtet.

Im vergangenen Jahr wurden mehrere Länder – Nepal, Madagaskar, Marokko, Indonesien, Kenia, Peru – von sogenannten Gen-Z-Protesten erschüttert. Die Jugend begehrt auf gegen die Korruption der Herrschenden und Perspektivlosigkeit. Eine ähnliche Bewegung – angeführt von Student:innen – gibt es in Serbien seit Herbst 2024.

All Workers Unite!

In Indien sind in den letzten Jahren immer wieder Millionen von Arbeiter:innen und Bäuer:innen mit antikapitalistischen Anliegen in den Streik gegen die Regierung Modis getreten. In Frankreich, Deutschland, den USA und vielen anderen Ländern organisieren sich Proletarier:innen für antifaschistische und antirassistische Gegenwehr und trotzen der staatlichen Repression, auch dank internationaler Solidarität. Die Krise ist global. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis auf der Welt weitere Aufstände ausbrechen.

In der Schweiz formiert sich die feministische Bewegung als dynamische gesellschaftliche Kraft. Frauen und Queers organisieren sich gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung und Gewalt. Diese Praxis verbindet die feministische Bewegung mit einer Kritik am patriarchalen Kapitalismus als Ganzes. Unter der Parole «Kapitalismus heisst Krieg – feministisch, militant, gegen den Feind im eigenen Land» versammelten sich an der revolutionären und unbewilligten 8.-März-Demonstration in Zürich fast zehntausend Frauen und genderqueere Personen.

Auch die Solidarität mit der Bevölkerung in Palästina sowie die Unterstützung der Revolution in Rojava haben in der Schweiz massenhaft – und nicht selten militant – Teile der Klasse auf der Strasse vereint.

Alle diese Kämpfe sind unterschiedlich, aber sie gehören zusammen. Sie sind Teil des weltweiten Klassenkampfs. Und sie zeigen, dass eine andere Welt nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist.

Für Frieden im Kommunismus!

31.03.2026: Veranstaltung zu Antifaschismus

Rechtsruck global: Marxistische Perspektiven auf Faschismus heute
Mit Eleonora Roldán Mendívil
Dienstag, 31.03.2026 um 18 Uhr
Zentralwäscherei, Neue Hard 12, Zürich
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Warum erstarkt die Rechte weltweit, und weshalb prägt der Rechtsruck unseren Alltag, von den USA bis in die Schweiz? Wie gelingt es rechten Gruppen, Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit und Sozialchauvinismus auch hier in der Schweiz wieder salonfähig zu machen? Welche Bedeutung haben dabei ökonomische Krisen, Prekarisierung und soziale Abstiegsängste? Und welche Rolle könnte eine organisierte Arbeiter:innenklasse als Gegenpol spielen?

Nach einer kurzen Einführung der Organisierten Autonomie Zürich analysiert Eleonora Roldán Mendívil die heutigen Formen von Faschismus aus einer marxistischen Perspektive. Im Zentrum stehen ökonomische Krisen, autoritärer Populismus und ein als Kulturkampf verschleierter Klassenkampf sowie die Grenzen liberaler und staatlicher Formen des Antifaschismus. Anschließend diskutieren wir gemeinsam über linke Strategien gegen rechte Hegemonie – jenseits von Moralappellen und Symbolpolitik.

Eleonora Roldán Mendívil ist Politikwissenschaftlerin, Autorin und politische Bildnerin. Sie arbeitet zu marxistischer Gesellschaftskritik, Geschlechterverhältnissen, Antirassismus und antifaschistischen Kämpfen. Sie lebt in Berlin und war viele Jahre in antifaschistischen, migrantischen sowie feministischen Kollektiven aktiv.

Heraus zum 8. März 2026!

Demonstration zum Feministischen Kampftag/Frauenkampftag
7. März 2026, 13:30 Uhr
Paradeplatz, Zürich
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Aufruf des 8MrzUnite-Bündnis

Kapitalismus heisst Krieg

Krieg ist kein Ausnahmezustand, er ist Teil der kapitalistischen Weltordnung. Diese globale Ordnung ist am Wanken. Die jahrzehntelange Hegemonie der USA wird durch China herausgefordert, neue Machtblöcke formieren sich, alte Bündnisse zerfallen. Was als «Zeitenwende» verkauft wird, ist Ausdruck einer tiefen wiederkehrenden Krise des Kapitals. Was sich in Venezuela anfangs Januar gezeigt hat, zeigt sich im Genozid in Palästina und dem (Stellvertreter-)Krieg in der Ukraine schon lange; imperiale Staaten konkurrieren um Ressourcen,

Handelswege und Einflusszonen. Diese Konkurrenz wird mit Aufrüstung und offener militärischer Gewalt ausgetragen. Krieg ist die Fortsetzung kapitalistischer Politik mit anderen Mitteln.

In Phasen struktureller Krisen sucht das Kapital nach neuen Wegen, um weiterhin Profite zu sichern. Während nach aussen imperiale Expansion angestrebt wird, werden im Inneren autoritärer Staatsumbau, Militarisierung und der Aufstieg faschistischer Kräfte zum Mittel des Machterhalts. Wo Ausbeutung nicht mehr reibungslos funktioniert, wird sie mit Repression, Nationalismus und Gewalt abgesichert. Der aktuelle Aufstieg faschistischer Ideologien ist dabei, wie immer, antifeministisch und tritt als ideologische Antwort auf Krisen auf.

In Krisenzeiten wird patriarchale Unterdrückung gezielt verschärft. Kapitalismus und Krieg sind auf die Kontrolle über Körper, Reproduktion und die damit einhergehende unentlohnte und schlecht bezahlte Arbeit angewiesen. Im Krieg sind sexualisierte Gewalt, Feminizide und Entrechtung gezielte Waffen der Unterdrückung. Frauen und queere Personen der Arbeiter:innenklasse tragen weltweit die Hauptlast imperialistischer Kriege.

Geraten Profite unter Druck, werden patriarchale Geschlechterverhältnisse gewaltsam stabilisiert. Die alte Alternative stellt sich erneut mit brutaler Klarheit: «Sozialismus oder Barbarei.»

Gegen den Feind im eigenen Land

Sich gegen Krieg zu stellen heisst, die Kriegstreiber:innen und Profiteure hier anzugreifen. Hier in der Schweiz. Wir leben in einem Staat, der sich neutral nennt, aber Kriege mitfinanziert, absichert und politisch mitträgt. Der Krieg nach aussen wird von einem Krieg nach innen begleitet: Durch Sparprogramme, durch härtere Arbeitsbedingungen, durch tödliche Grenz- und Asylregime, durch Mobilmachung und nationalistische Kriegspropaganda. Es wird aufgerüstet und eingespart – und all dies auf dem Nacken von uns, der Arbeiter:innenklasse.

Gleichzeitig sind wir es, die den Laden am Laufen halten: in der Pflege, in der Betreuung, in Kitas, Schulen und Spitälern.Diese Kriege sind nicht unsere Kriege. Es sind die Kriege der Herrschenden – dagegen kämpfen wir.

Feministisch, militant!

Sich gegen Krieg zu stellen war schon immer ein feministisches Anliegen. Schon lange bevor Kriege als «Zeitenwenden» bezeichnet wurden, organisierten sich Frauen gegen Militarismus, Nationalismus und patriarchale Gewalt. 1915, an der internationalen Konferenz “sozialistischer Frauen gegen den Krieg” in der Schweiz, endete ihre Resolution mit der Parole: «Krieg dem Krieg!»

Daran knüpfen wir an. Feministische Kämpfe gehören zu den stärksten sozialen Bewegungen der letzten Jahrzehnte. Sie haben Streiks organisiert, Gewalt sichtbar gemacht, Herrschaft angegriffen und konkrete Verbesserungen erkämpft. Von Ni Una Menos bis Jin, Jiyan, Azadî haben feministische Bewegungen gezeigt, dass Widerstand möglich ist – gegen patriarchale Gewalt, gegen staatliche Repression, gegen kapitalistische Ausbeutung.

Feminismus ist deshalb nicht nur Kritik am Krieg, sondern eine Antwort. Eine kollektive Praxis gegen patriachale Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung. In Rojava sehen wir zurzeit wie die Stärke der Frauenrevolution das Bollwerk gegen Daesh (IS) und den türkischen Faschismus ist. Unser Frieden bedeutet nicht die Rückkehr zur kapitalistischen Normalität und ihrer Ausbeutung. Unser Frieden bedeutet Befreiung für alle. Und solange wir nicht alle frei sind, kämpfen wir weiter – feministisch, militant und internationalistisch.

Weltweit – von Kurdistan bis Iran, von Palästina und der Westsahara bis in den Sudan, von Chiapas bis zu den Philippinen. Verbunden über Grenzen hinweg kämpfen wir gegen Kapital, Staat, koloniale Unterdrückung und Patriarchat.

Feministischer Widerstand heisst:

Kein Frieden mit diesem System.

Kein Feminismus ohne Antimilitarismus.

Kein Antimilitarismus ohne Klassenkampf.

Heraus zum revolutionären feministischen Kampftag/Frauenkampftag am 7. März!

Kapitalismus heisst Krieg – feministisch, militant.

Gegen den Feind im eigenen Land.

Flugblatt: Gegen Austerität und Aufrüstung

Flugblatt zur Demonstration gegen Austerität und Aufrüstung in Zürich, 28.02.2026

Vier Jahre Krieg in der Ukraine, imperialistische Invasion in Venezuela, Krieg gegen Rojava, Genozid in Palästina: Wir befinden uns in einer Phase allgemeiner Kriegstendenz. Die bürgerlichen Staaten rüsten auf. So soll in Deutschland die Wehrpflicht wieder eingeführt und in der Schweiz der Zugang zum Zivildienst erschwert werden. Während auch der Bund die Ausgaben für Militarisierung und Aufrüstung steigert (31 Milliarden), streicht er mit dem „Entlastungspaket 27“ radikal die Budgets in bspw. Bildung, Asylwesen und Service Public zusammen. In dieser Logik sollen wir also alle weniger zum Leben haben und damit die Aufrüstung finanzieren. Dies sind nichts anderes als Angriffe des Staates auf uns Arbeiter:innen im Interesse des Kapitals.:,D

Aber wogegen soll aufgerüstet werden? Es werden Feinde konstruiert gegen die es vermeintlich eine militärische Verteidigung braucht. Sie erzählen uns, dass wir uns für die Verteidigung von «Werten» und unseres Staates einsetzen sollen und dass es legitim sei, Waffen zu liefern, die gegen unsere Klassengeschwister eingesetzt werden. Diese Haltung verkennt nicht nur die Kapitalinteressen von geopolitischen Machtblöcken um Vorherrschaft, sondern auch, dass Kriege, die bürgerliche Staaten gegeneinander führen, stets zum Nachteil unserer Klasse sind. Diese Interessen sind nicht unsere als Arbeiter:innen und wir zahlen nicht dafür, kämpfen nicht dafür und sterben nicht dafür. Stellen wir uns konsequent gegen die Kriege der herrschenden Klasse. Denn wir wissen: Der Feind steht im eigenen Land.

Der Sozialstaat wird umgestaltet. Es soll in der Bildung gespart werden: Studiengebühren sollen sich verdoppeln oder für Studis ohne Schweizer Pass gar vervierfachen. Ausserschulische Programme und die staatliche Opferhilfe sollen gestrichen werden. Verschiedene von Arbeiter:innen erkämpfte Verbesserungen werden rückgängig gemacht und unsere Lebensbedingungen werden damit schlechter. Währenddessen steckt der Staat Milliarden in die Militarisierung. Dabei werden nicht bloss Milliarden in die Armee gepumpt, auch Polizei und Nachrichtendienst werden aufgeblasen und militarisiert. Noch mehr Bullen in Vollmontur? Gerade hier zeigt der Staat seine repressive und ausbeuterische Seite. Ihre Waffen sind nicht zu unserem Schutz gedacht, sondern für unsere Unterdrückung.

Als Kommunist:innen wissen wir schon lange: Dem bürgerlichen (Sozial)Staat geht es nicht um das Wohlergehen von uns Arbeiter:innen. Er dient dazu, die kapitalistische Ordnung aufrechtzuerhalten und die Profite der Reichen sicherzustellen. Mit der aktuellen Militarisierung und Austeritätspolitik betreibt er parallel zur globalen Kriegstendenz einen Krieg gegen innen, einen Krieg gegen die Arbeiter:innenklasse.

Wir Arbeiter:innen wissen, wie wir uns gegen diese Angriffe wehren können. In Genua vereiteln die Hafenarbeiter:innen mit Streiks, dass Waffen nach Gaza gelangen, die gegen unsere Klassengeschwister eingesetzt werden sollen. Im Waadtland streiken Staatsangestellte erfolgreich gegen Lohnkürzungen und zeigen damit: Arbeitskampf lohnt sich. Seit dem Feministischen Streik 2019 formiert sich vermehrt feministischer Widerstand von unten: Frauen und genderqueere Personen solidarisieren sich miteinander, Arbeiter:innen kämpfen und organisieren sich gemeinsam, Basisgruppen werden gegründet.

Als Arbeiter:innen stärken wir die proletarische Selbstverteidigung, kämpfen gegen eine Verschlechterung der Lebensverhältnisse und für die Übernahme der Produktionsmittel. Nur im Aufbau von proletarischer Gegenmacht und durch die radikale Ablehnung des kapitalistischen Staats ist eine positive Zukunftsperspektive möglich. Der Kampf gegen Austerität ist Klassenkampf. Denn dort, wo die Widersprüche des Kapitalismus auftreten, intervenieren wir und erarbeiten revolutionäre Perspektiven, die den Kapitalismus und seinen Staat überwinden werden. In der heutigen kapitalistischen Krise, die den Globus mit Hunger, Krieg und Naturzerstörung überzieht, gilt mehr denn je: Für den Frieden und den Kommunismus!

Klasse gegen Klasse, Krieg dem Krieg, Kampf dem Kapital bis der Frieden siegt!

Hoch die internationale Solidarität!

6 Jahre Hanau-Attentat: Erinnern heisst kämpfen!

Am 19. Februar 2020 erschoss ein Faschist in Hanau neun Menschen. Said Nesar Hashemi, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Sedat Gürbüz, Fatih Saraçoğlu, Mercedes Kierpacz und Vili Viorel Păun.:,D

Am 10. Januar 2026 starb Ibrahim Akkuş im Alter von 70 Jahren an den Spätfolgen der Verletzungen, die er beim Anschlag erlitten hatte. Ibrahims Leben war schon lange vor dem Anschlag von rechter Gewalt geprägt. Als Kurde erlebte er in den siebziger Jahren in der Türkei Verfolgung und Faschismus aus nächster Nähe. Sein Bruder wurde dort von Rechten ermordet, nachdem dessen Asylantrag in Deutschland abgelehnt worden war.

Mit einem Wandbild in Zürich gedenken wir der zehn Opfern des Anschlags in Hanau und schicken solidarische Grüsse an die Angehörigen und Überlebenden. Sie kämpfen seit sechs Jahren unermüdlich für die Aufarbeitung des Anschlags. Dabei haben sie zahlreiche Versäumnisse und Vertuschungsversuche der Behörden aufgedeckt.

Hanau war kein tragischer Einzelfall: Said, Ferhat, Kaloyan, Gökhan, Hamza, Sedat, Fatih, Mercedes, Vili Viorel und Ibrahim wurden von einem Faschisten ermordet. Die Tat kann nicht isoliert betrachtet werden, sondern ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas. Rechte und faschistische Kräfte werden stärker – in den Parlamenten, auf der Strasse und innerhalb des Staatsapparats. Gegen 13 SEK-Beamte, die in der Anschlagsnacht im Einsatz waren, wurde später ermittelt, weil sie Mitglied in rassistischen Chatgruppen waren.

An Hanau zu erinnern bedeutet deshalb, faschistische Strukturen konsequent zu bekämpfen. Wir lassen nicht zu, dass Faschist:innen und die Polizei uns, unsere Nachbar:innen, Arbeitskolleg:innen, Freund:innen und Genoss:innen bedrohen, angreifen und ermorden.

Organisieren wir uns, schützen wir uns gegenseitig – und schlagen wir zurück! Vili Viorel Păun stellte sich dem Attentäter von Hanau in den Weg. Der Täter schoss auf ihn, aber er liess sich nicht beirren. Vili – nicht die Polizei! – nahm daraufhin die Verfolgung auf. Er wusste: Man muss selbst aktiv werden. Seinen Mut bezahlte er mit dem Leben. Wir tragen Vili Viorel, Ferhat, Hamza, Said Nesar, Mercedes, Kaloyan, Fatih, Sedat, Gökhan und Ibrahim in unseren Herzen und in unseren Kämpfen.

Erinnern heisst kämpfen!
Solidarität mit allen Betroffenen faschistischer Gewalt!

Organisierte Autonomie Zürich

OA-Bar: Gegen Austerität und Aufrüstung


Freitag, 13.2. im Infoladen Kasama

Jüngst gab der Bund bekannt, dass drastische Sparmassnahmen (u.a. in Bildung, Sozialbereich, Klimaschutz) nötig seien um die Staatsfinanzen im Lot zu halten. Gleichzeitig sollen die Militärausgaben um 31 Milliarden Franken gesteigert werden. Wie hängt das zusammen? Und wie können wir es verhindern?

An der OA-Bar vom 13. Februar diskutieren wir über die aktuelle Sparpolitik und Aufrüstung in der Schweiz. Das neue Bündnis gegen Austerität stellt sich vor und informiert über die Demo am 28.02.2026 in Zürich.

13.02.2026 im Kasama, Militärstrasse 87a Zürich
Bar ab 19 Uhr, Input 20 Uhr

Veranstaltung zur Gisi Winterthur

Gisi verteidigen – Wir bleiben alle!

Infos zur akuten Räumungsandrohung gegen die Gisi und weitere selbstverwaltete Häuser und Wagenplätze in Winterthur.

Wann: 15.10.2025, 19:00 Uhr
Wo: Infoladen Kasama, Militärstrasse 87a, 8004 Zürich (Hinterhofgebäude neben Radio Lora)
Mit Abendessen & Bar.

Veranstaltung im Rahmen der Aktionstage Wohnkrise, wohndemo.ch/

Häuservernetzung Winterthur, wohnraumverteidigen.noblogs.org/
IG der Bewohner:innen und Benutzer:innen der Stefanini-Liegenschaften, igbbsl.wordpress.com/