
Flugblatt der Organisierten Autonomie Zürich zur Justice for Nzoy-Demonstration, 12.09.2026:,D
Roger Nzoy Wilhelm wurde am 30. August 2021 von einem Polizisten erschossen. Sein Tod ist kein Einzelfall. Bei Polizeieinsätzen allein im Kanton Waadt wurden in den letzten Jahren auch Lamin Fatty, Hervé Mandundu, Mike Ben Peter, Michael Kenechukwu Ekemezie, die 14-jährige Camila und der 17-jährige Marvin getötet.
Rassistische Polizeigewalt hat System: Sie beginnt bei den Polizeischikanen, denen People of Colour täglich ausgesetzt sind, und endet immer wieder bei tödlicher Gewalt. Der Kampf für Gerechtigkeit für Nzoy ist deshalb auch ein Kampf gegen alle Formen des staatlichen Rassismus.
Die diesjährige Demonstration steht im Zeichen der Militarisierung. Rassistische Polizeigewalt und die aktuelle Aufrüstung der Herrschenden gehören zusammen. So beruht der Kapitalismus auf der Ausbeutung von Ressourcen und Arbeitskraft – hier und besonders gewaltsam im globalen Süden. Für diese Ausbeutung benötigt er rassistische Gewalt, die von kolonialer Dominanz über die globale Ausbeutung bis zum hochgerüsteten Migrationsregime reicht. Der Genozid in Palästina zeigt aktuell, welche Brutalität die imperialistische und kolonialistische Dynamik des Kapitalismus entfesseln kann.
Der Massenmord in Gaza, aber auch die Kriege im Iran, in der Ukraine und im Sudan sind Ausdruck einer neuen Welle des Imperialismus. In der kapitalistischen Krise verschärfen sich die gesellschaftlichen Widersprüche und der Staat setzt zur Sicherung seiner Interessen vermehrt auf militärische Gewalt: Kriege gegen aussen und Repression gegen innen. Immer wieder werden im Krieg entwickelte Technologien auch in der Aufstandsbekämpfung eingesetzt.
Rassismus ist in diesem System von Ausbeutung und Gewalt ein wichtiges Machtmittel. Zur Klassengesellschaft, gehört nicht nur der Widerspruch zwischen herrschender und arbeitender Klasse, sondern auch rassistische Spaltungen in der ausgebeuteten Klasse selber. Das zeigt sich, wenn People of Color systematisch in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt werden. Das zeigt sich im antimuslimischen Rassismus, der den Genozid in Gaza sowie die Repression gegen die Palästina-Solidarität normalisiert. Und das zeigt sich in der Polizeigewalt, welche die Klassenherrschaft durchsetzt und die von rassistischer Ideologie gestützt wird.
Doch dieser Unterdrückung steht eine reiche Geschichte des Widerstands entgegen. In Europa reicht sie von migrantischem Widerstand an den Grenzen und in den Knästen bis zu Kämpfen gegen Polizeibrutalität wie der Kampagne für Oury Jalloh. In den USA verbinden sich die Erfahrungen der Black Panthers, der Black-Lives-Matter-Bewegung und des Widerstands gegen ICE. Immer wieder zeigte sich in diesen Kämpfen die zentrale Bedeutung der Community-Arbeit: der Organisierung in den Quartieren und dem Aufbau nachbarschaftlicher Solidarität.
Von diesen Erfahrungen können wir lernen. Das beste Mittel gegen rassistische Gewalt ist eine solidarische Gemeinschaft und Gegenmacht von unten. Die Kampagne für Nzoy greift dies auf, wenn sie sich im Kreis 4 und darüber hinaus vernetzt. Organisieren wir antirassistische Solidarität in den Quartieren und in den Betrieben! Wehren wir uns, wenn unsere Angehörigen, Nachbar:innen, Freund:innen und Arbeitskolleg:innen von Polizei und Migrationsämtern bedroht werden.
Kämpfen wir als Klasse für Frieden und Kommunismus!


